Varroa- Toleranz- Zucht

Es ist Ende Juli und am Bienenstand kehrt Ruhe ein. Die Haupttrachten sind vorüber und der Sommer hat den Höhepunkt überschritten.

Bei uns im Imkerverein gibt es derzeit 3 Züchter, die sich der Zucht varroatoleranter Völker widmen. Zwei Züchter im Verein züchten Carnica Königinnen und der Dritte im Bunde züchtet Buckfast Königinnen. Dies übrigens schon über 15 Jahre sehr erfolgreich.
Da eines unserer Vereinsziele die Verbreitung varroatoleranter Völker ist, wurden 2 Arbeitsgruppen für die beiden Bienenrassen gebildet. Der Artikel beschreibt die notwendigen Voraussetzungen, Rahmenbedingungen und den Ablauf je Arbeitsgruppe.

Vorbereitung und Voraussetzung:

  • Der interessierte Imker stellt eine oder mehrere Mini Plus Beuten (beschriftet mit dem Namen) mit Rahmen , eingelöteten Mittelwänden, einem Trennschied und eine mit Futterteig gefüllte Futterzarge bereit.
  • Liefert der Imker bebrütete Rahmen und Bienenmaterial mit, ist ein Seuchenfreiheitszeugnis und Drohenfreiheit zwingend notwendig.
  • Zur aufgesetzten Futterkammer muss ein Absperrgitter vorhanden sein
  • Stehen verdeckelte Weiselzellen beim Züchter zur Verfügung, wird der Imker informiert und dieser bringt seine vorbereitete Beute(n) zum Züchter.
  • Zusammen mit der Beute sollte ein geeignetes Untergestelle mitgebracht werden, damit die Beute nicht direkt auf der Erde steht.

Je nach Züchter und deren Arbeitsweise unterscheiden sich der weitere Ablauf und die Vorgehensweise. Die Details sind im Folgenden in Ablaufdiagrammen näher beschrieben.

Buckfast:

Buckfast Zeitachse

Sollen mehrere Königinnen nachgezogen werden, so dauert der Zyklus bei gutemBegattungswetter ca. 4 Wochen und die Mini Plus Beute verbleibt beim Züchter. Wird nur eine Königin benötigt, holt der Imker die neue Königin zusammen mit der Mini Plus Beute beim Züchter ab.

Carnica:

zeitlicher Ablauf Carnica

Die einfachste Variante ist, nur eine begattete und in Brut gegangene Königin im Käfig vom Züchter zu übernehmen und selbst einzuweisel.

Regeln für den Imker:
Generell sollten folgende Regeln für das Varroaresistenz- Projekt beachtet werden.
Bitte die Völker beobachten und Feedback an die Züchter geben! In diesem Jahr sollte Varroa bei den Jungvölkern kein Problem sein, trotzdem:
– bitte im Herbst 1x für 3-5 Tage Schieber zur Kontrolle reinlegen
– bitte KEINE Winterbehandlung durchführen!
– im Frühling zum Auswintern erneute Kontrolle
– Drohnen von diesen Völkern fliegen lassen!!!
– im nächsten Jahr Varroa im Blick haben (!) und – notfalls, für chemiefreies imkern – mit Brutpausen regulieren
– und immer gilt: Feedback an die Züchter!

Für die Arbeitsgruppe mit den Buckfast Königinnen, die im ersten Durchgang Königinnen einweiseln, gilt das gleiche.

markierte Königin

Der Züchter: Hier möchte ich nur darauf hinweisen, dass es 3 Brutzyklen braucht,  bis die Genetik im Volk ausgetauscht ist, d.h. bis alle „Bienchen“ wissen, wie sie mit Varroa umgehen sollen.
Je nach jetziger Varroabelastung könnt ihr das Volk für einen schnelleren Wechsel unterstützen, indem ihr die jetzige verdeckelte Brut entfernt (z.B. Bildung von Sammelbrutableger und (nur den) bei Brutfreiheit mit Oxalsäure behandeln oder über Fangwaben sanieren bzw. gleich mit offener Brutwabe von der neuen Königin ausstatten.2

Erste Erfahrungen der Imker aus beiden Arbeitsgruppen:
Die zwei (vier) Mini-Plus Rähmchen setze ich mittels Adapter für meine Dadentbeuten dazwischen. Hier kommt schon die erste Sache, die ich das nächste Mal anders mache. Ich nehme meine Waben vorbereitet in der Dardantbeute gleich mit zum Züchter und setze vor Ort alles zusammen…

offene Mini Plus Zarge
Adapter für Dadant
Adapter für Dadant1
Dadantzarge

Fazit nach einem Sommer:
Von den fast 50 Mitgliedern des Vereins haben sich 8 Imker aktiv an den Arbeitsgruppen beteiligt. Die Resonanz und das Feedback sind überwiegend positiv.
Oberste Prämisse für den Erfolg des Projektes sollte sein, dass alles so einfach wie möglich gehalten werden muss. Jeder Imker hat seine eigene Arbeitsweise und seine eigenen Erfahrungen bzw. sein eigenes Beutenmaß. Diese Dinge dürfen nicht zum Scheitern eines solchen Projektes beitragen. Es muss also ein Weg gefunden werden, der diese Schwierigkeiten überwindet.
Die Hoffnung besteht, dass sich im kommenden Jahr noch mehr Imker daran beteiligen werden.

  1. Bild 1 in diesem Abschnitt wurde mit KI erstellt. ↩︎
  2. Bild 2 in diesem Abschnitt wurde mit KI erstellt ↩︎